• Ein Blog von Alexandra Endres

„Bolsonaro ist den Evangelikalen etwas schuldig“

Nov 14

Politische Evangelikale gewinnen an Einfluss in Lateinamerika. Sie prägen mit ihrem konservativen Weltbild Debatten über Geschlechterrollen, Familienverhältnisse und Sexualität, und die Wahlempfehlungen ihrer Pastoren beeinflussen das Stimmverhalten der Wähler. Jüngstes Beispiel ist Brasilien. Welche Folgen hat das für die Gesellschaften?

El Chapo, der Drogenhändler der Regierung

Nov 14

Als der Mafiaboss Joaquín Guzmán im Jahr 1993 das erste Mal verhaftet wurde, brachten mexikanische Sicherheitsbeamte ihn mit einer Boeing 727 in die Nähe von Mexiko-Stadt. Einer von ihnen verhörte El Chapo noch während des Flugs. Der Drogenhändler belastete in seinen Aussagen nicht nur seine Chefs und Kumpanen, sondern auch hochrangige Mitglieder der mexikanischen Generalstaatsanwaltschaft. Er sagte, sie hätten ihn beschützt. So beschreibt es die Journalistin Anabel Hernández.

Die Zukunft ist 4.000 Kilometer entfernt

Okt 25

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Migrantinnen und Migranten aus Zentralamerika durch Mexiko ziehen mit dem Ziel, in die USA gelangen. Wenn sie es aber in einer Gruppe von mehreren Tausend Menschen tun, dann sorgt das für Aufregung. Vor allem in den USA, wo Präsident Donald Trump die Nachrichten über den Flüchtlingstreck für seine eigenen Wahlkampfzwecke nutzt – und durch seine Tweets wird der Marsch der Flüchtlinge dann auch in Deutschland zur Nachricht.

Am Ende finden sie ein Grab

Okt 21
Die Rastreadoras auf dem Weg zum Gelände, das sie nach ihren Kindern absuchen werden.

Die Rastreadoras auf dem Weg zum Gelände, das sie nach ihren Kindern absuchen werden.

Mirna Medinas Sohn Roberto wurde am 14. Juli 2014 entführt. „Ein Pick-up kam zu der Tankstelle, an der er Handy-Zubehör verkaufte. Sie haben ihn gezwungen, einzusteigen. Wir haben nichts mehr von ihm gehört“, sagt sie. Drei Tage lang wartete die Mutter, dann ging sie zur Polizei, um eine Anzeige aufzugeben. Die Beamten legten eine Akte an – und sagten Mirna, mehr würden sie nicht tun. Sie würden nicht nach Roberto suchen.

„Ich war so wütend“, sagt sie. „Und ich fühlte mich so ohnmächtig.“ Dann begann sie selbst mit der Suche. Nach einer fand sie ein erstes Grab, aber es war nicht Roberto, der darin lag. Nach und nach schlossen sich andere Frauen, deren Kinder auch verschwunden waren, an.

Mexiko ist das Land der Verschwundenen: Von 37.000 Menschen fehlt jede Spur. Weil die Polizei nicht ermittelt, suchen Verwandte mit Schaufel und Machete selbst.

Ganz Mexiko ist eine Mauer

Okt 10
Alberto González aus Danlí in Honduras floh vor den Maras. In Tenosique fand er Schutz.

Alberto González aus Danlí in Honduras floh vor den Maras. In Tenosique fand er Schutz.

Alberto González kommt aus dem Paradies – so heißt sein Heimatdepartement in Honduras: El Paraíso. Die Maras haben seine Frau ermordet und ihn verjagt. In der Herberge La 72 im Süden Mexikos hat er Schutz gefunden.

Er ist einer von 261 Menschen, die am Tag meines Besuchs dort untergekommen sind: Männer, Frauen, Queere, unbegleitete Jugendliche, Kleinkinder, Säuglinge. Allein Reisende und ganze Familien. Sie fliehen vor Armut und extremer Gewalt. Die Vereinten Nationen, Ärzte ohne Grenzen und lokale Helfer in Tenosique sagen: Was die Menschen in Honduras, El Salvador und Guatemala durchmachen, ist mit der Situation in Kriegsgebieten vergleichbar.

Viele der Menschen in Tenosique wollen weiter, in die USA. Doch Mexiko unternimmt alles, um sie aufzuhalten.

Alberto sagt, er fühle sich in der Herberge sicher. Nur manchmal, wenn Tätowierte nach La 72 kommen, kehrt seine Angst zurück. Tätowierte könnten Gangmitglieder sein.

Für ZEIT ONLINE habe ich seine Geschichte und die anderer Menschen, die ich in La 72 getroffen habe, aufgeschrieben.

„Mit geschlossenen Augen in den Krieg“

Mai 2

Humberto de La Calle, ehemals Chefunterhändler der kolumbianischen Regierung für den Friedensprozess mit der Farc-Guerilla, wählte für seine Ansprache drastische Worte. „Wenn wir so weitermachen, ziehen wir mit geschlossenen Augen in einen Krieg“, warnte er am vergangenen Sonntag auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz. Um möglichst viele Menschen zu erreichen, verbreitete er seine Botschaft auch über Facebook und Twitter. „Sie werfen den Frieden weg“, sagte de La Calle, der sich derzeit für die Liberale Partei um die Präsidentschaft des Landes bewirbt. Und nach seiner Überzeugung haben einige in diesem Wahlkampf keine guten Absichten, was das Friedensabkommen mit der Farc angeht.

Daniel Ortega ist nicht mehr unantastbar

Apr 21

Aus brennenden Reifen steigt schwarzer Rauch. Flammen schlagen aus Häusern, über den Straßen wabern Tränengasschwaden. Vermummte Demonstranten suchen Deckung hinter Mauern und Schildern, sie werfen Steine und Molotowcocktails; Polizisten schießen – angeblich mit Gummikugeln – zurück. Ein Mönch und eine Nonne versuchen, im Chaos zu vermitteln. Sanitäter kümmern sich um blutende Verletzte. Ein 15-jähriger Junge soll unter ihren Händen gestorben sein.

Die Bilder und Nachrichten, die seit Mittwoch aus Nicaragua kommen, zeigen, wie die Gewalt in dem zentralamerikanischen Land eskaliert. Insgesamt gab es wohl mindestens ein Dutzend Tote. Viele Menschen wurden verletzt. Die Regierung schickt gegen die Proteste nicht nur Polizisten, sondern auch vermummte Schlägertrupps – und inzwischen offenbar auch Soldaten: Fotos, welche die Tageszeitung La Prensa und der Nachrichtenkanal100% Noticias auf Twitter verbreiten, zeigen Uniformierte in der Stadt Estelí und anderen Orten des Landes, wie die beiden Medien berichten. Auch der Radiosender ABC zeigte – auf Facebook – Fotos von Soldaten in Estelí. Unbestätigten Informationen zufolge rollen in Managua und anderswo auch Panzer.

Der Kreuzweg der Migranten

Apr 4

Sie sagen, sie befänden sich auf einem Kreuzweg. Aber es sind keine religiösen Pilger, sondern Migranten, eine große Gruppe aus über tausend, manchen Medien zufolge sogar 1.500 Personen. Zu ihr gehören Männer, Frauen, allein reisende Kinder, Junge und Alte, Kräftige und körperlich Schwache, aus Honduras, El Salvador, Nicaragua und Guatemala. Sie wandern zu Fuß durch den Süden Mexikos, auf der Flucht vor Gewalt, Armut und Aussichtslosigkeit, und sie hoffen auf Asyl oder zumindest die Anerkennung als Flüchtlinge. Manche wollen in Mexiko bleiben. Andere zieht es in die USA.