• Ein Blog von Alexandra Endres

„Sie sagen, hier kann man leben“: Warum so viele Menschen aus Zentralamerika nach Mexiko fliehen

Mrz 28

Es herrscht kein Krieg in El Salvador, Honduras und Guatemala. Zumindest nicht so, wie Krieg herrscht in Syrien oder im Jemen: Es fallen keine Bomben, und keine Panzer rollen über die Straßen.

Trotzdem ist in den drei Ländern Zentralamerikas niemand seines Lebens sicher. Die Gangs kontrollieren die Region, sie handeln mit Drogen, erpressen Schutzgeld, entführen Geschäftsleute und zwingen die Söhne der Nachbarn, für sie zu arbeiten. Die Töchter sind Freiwild für sie. Wenn Eltern versuchen, ihre Kinder zu schützen; wenn irgend jemand sich wehrt, den Bossen widerspricht oder sonst einen Fehler begeht, dann wird er umgebracht – oder muss um sein Leben rennen.

Es gibt viele Marielle Francos

Mrz 23

Nach ihrem gewaltsamen Tod wurde die Stadträtin aus Rio weltweit bekannt. Sie ist nicht die Einzige, die umgebracht wurde, weil sie für eine bessere Welt kämpfte.

Es gibt eine Redensart, angeblich stammt sie aus Mexiko: „Sie wollten uns begraben. Aber sie wussten nicht, dass wir Samen waren.“ Sie gilt für viele, die wegen ihres Engagements – für die Umwelt, für Menschenrechte, für Indigene, Schwarze, Frauen, Arme – umgebracht wurden; die ermordet wurden, weil sie den Mächtigen lästig waren, aber dann, mit ihrem Tod, größeren Einfluss entfalteten als zuvor.

Offensichtlich war Marielle Franco so jemand. Bevor die linke Stadträtin und Menschenrechtsaktivistin am Abend des 14. April in Rio de Janeiro erschossen wurde, kannten sie außerhalb Brasiliens nicht viele, doch durch ihren gewaltsamen Tod wurde die Welt auf sie aufmerksam.

Anne-Klein-Frauenpreis für Jineth Bedoya und Angarita Robles

Mrz 4

Es ist eine verdiente Auszeichnung: Mayerlis Angarita Robles und Jineth Bedoya Lima haben den Anne-Klein-Frauenpreis der Heinrich-Böll-Stiftung erhalten: für ihren Kampf um die Rechte der Frauen in ihrer Heimat Kolumbien.

Wie die Stiftung erklärt, setzt sich Mayerlis Angarita seit Jahren für die Landrückgabe an zwangs­ver­triebene Frauen in der kolumbianischen Region Montes de Maria ein, wo sie 2000 das Frauenkollektiv „Narrar para Vivir“ (Erzählen um zu leben) gründete. Sie überlebte zwei Mordanschläge und setzte sich 2011 für die Schaffung eines Gesetzes für die Opfer des bewaffneten Konfliktes ein. Außerdem war sie an den Friedensverhandlungen in Havanna beteiligt und engagiert sich für die Umsetzung des Friedensvertrags.

Das Erbe Pablo Escobars

Mrz 4

Vor 25 Jahren wurde Pablo Escobar, Chef des Medellín-Kartells, von der Polizei erschossen. Manche in Kolumbien verehren den Drogenboss und Mörder immer noch als Helden, trotz seiner Verbrechen. Durch die Netflix-Serie „Narcos“ ist seine Popularität zuletzt noch gestiegen – nicht unbedingt zur Freude von Escobars Opfern und ihren Angehörigen (und vieler Politiker in Medellín. Denn die arbeiten mit viel Geld und Einsatz daran, der Welt zu zeigen, wie sehr sich ihre Stadt zum Guten gewandelt habe).

Jon Lee Anderson, Reporter des New Yorker, war zu Besuch in Medellín und schreibt über das mindestens ambivalente Verhältnis der Stadt und ihrer Bürger zu Pablo Escobar – und darüber, welches Erbe der Kartellchef hinterlassen hat. Das ist lesenswert, denn vieles, was Anderson beschreibt, kommt nicht nur in Kolumbien vor, sondern so gut wie überall: zum Beispiel, dass gewalttätige Outlaws eine morbide Faszination auf so viele Menschen ausüben.

No one disputes that Pablo Escobar was a murderer, a torturer, and a kidnapper. But he was loved by many in Medellín…

Ein geliebter Mörder? Wie passt das zusammen?

Venezuelas Präsident schwärmt von seiner Kryptowährung

Feb 22

Vor ein paar Tagen postete ich hier eine Notiz zur Ankündigung Venezuelas, eine eigene Kryptowährung auf den Markt zu bringen. Am Dienstag war es so weit: Der Petro ging in den Verkauf. Präsident Nicolás Maduro lobte den Start mit den blumigsten Worten:

Staatschef Maduro stand im Präsidentenpalast Miraflores und erklärte überschwänglich – und wie erwartet – die neue Währung zum „rauschenden Erfolg“. Sie sei Venezuelas Schritt „ins 21. Jahrhundert“; eine Währung „stark wie Superman“ sei geschaffen worden. Eine Wirtschaftskennziffer wurde auch genannt: Gleich am ersten Tag habe der Petro dem Staat mehr als 735 Millionen Dollar eingebracht.

Kollege Thomas Fischermann ordnet den Überschwang auf ZEIT ONLINE schön ein. Niemand weiß nämlich, was hinter der Euphorie steckt: Was von den 735 Millionen Dollar zu halten sei, ist unklar, ebenso wie die Frage, welche Investoren um alles in der Welt sich für die digitale Währung eines bankrotten Staates interessieren sollen. Die Venezolanerinnen und Venezolaner können den Petro vorerst noch nicht erwerben – die stecken ihr Geld, so sie können, derzeit eh in Dollar oder Bitcoin.

Maduros Regierung hat angekündigt, dass die Venezolanerinnen und Venezolaner demnächst alle möglichen staatlichen Dienstleistungen in der neuen Währung bezahlen können: Gebühren bei den Ämtern zum Beispiel und sogar ihre Steuern. Vielleicht kriegen Angestellte im öffentlichen Dienst ihre Gehälter gleich in Petro ausbezahlt, das ist sogar recht wahrscheinlich, denn der Staat ist sehr pleite und die Staatsangestellten können sich kaum wehren. Falls das Petro-Projekt scheitert, währen ihre Löhne wertlos.

Maduro hofft, der Petro könne sein Land – und seine Regierung – vor dem offiziellen Bankrott retten. Das kann nur klappen, wenn die Investoren glauben, dass der jetzige Präsident auch der künftige bleiben wird, schreibt Fischermann: Die Kryptowährung ist eine Wette auf die Zukunft Maduros. Scheitert der Präsident, scheitert der Petro. Und womöglich umgekehrt.

Hinweis: Der Text erschien zuerst auf piqd.de

Warum Venezuela eine eigene Kryptowährung herausbring

Feb 18

Die meisten wollen nur noch weg: Wer Venezuela verlassen kann, geht, denn im Land selbst ist es für die meisten Menschen kaum noch möglich, sich mit dem Allernötigsten zu versorgen. Nahrungsmittel, Medikamente und andere Dinge des täglichen Bedarfs sind Mangelware. Viele Venezolaner hungern, viele finden ihre Nahrung auf dem Müll.

Es ist eine Flüchtlings-, Wirtschafts- und politische Krise, die in Deutschland kaum Beachtung findet. Die Nachbarländer Kolumbien und Brasilien haben kürzlich ihre Grenzkontrollen verstärkt, um Einreisende besser registrieren zu können und illegale Grenzübertritte zu verhindern. Alleine an einem Grenzübergang zwischen Kolumbien und Venezuela überqueren täglich, so wird berichtet, bis zu 37.000 Menschen die Grenze. Mehr als eine halbe Million Venezolaner leben demzufolge bereits in Kolumbien.

Nicht nur Oxfam: Wie Missbrauch unter Nothelfern normalisiert wird

Feb 18

In den vergangenen Tagen kamen Berichte ans Licht, denen zufolge Oxfam-Mitarbeiter von hilfsbedürftigen Frauen in Haiti und im Tschad Sex im Gegenzug für Nothilfe erpresst haben sollen. Auch Ärzte ohne Grenzen und das International Rescue Committee (IRC) berichteten von sexuellen Übergriffen durch eigene Mitarbeiter. In der Vergangenheit gab es immer wieder Berichte über sexuellen Missbrauch und Ausbeutung durch UN-Blauhelmsoldaten im Einsatz.

Blauhelme, Nothelfer und Mitarbeiter von Entwicklungsorganisationen haben eins gemeinsam, sagt Kathleen Jennings, die zu sexuellem Missbrauch in UN-Friedensmissionen geforscht hat: Sie bewegen sich im Einsatz in einem „toxischen Umfeld“, dass den Missbrauch als etwas Normales darstellt:

Zu Gast beim Reise- und Fotopodcast Gate7

Feb 1

Kai Behrmann ist Sportjournalist in Hamburg – und ganz nebenbei Fotograf und Reisender aus Leidenschaft. Als solcher betreibt er den sehr empfehlenswerten Reise- und Fotografieblog Gate7 mit angeschlossenem Podcast, bei dem ich in der vergangenen Woche zu Gast sein durfte.

Eine gute Stunde lang fragte der Kollege mir Löcher in den Bauch – über mein Buch „Wer singt, erzählt – wer tanzt, überlebt“; darüber, was mich an Kolumbien so fasziniert, warum ich immer wieder dorthin reise, wie sicher das Land für Touristen sei, und welche Orte man unbedingt gesehen haben müsse. Das hat mir großen Spaß gemacht. Vielen Dank dafür!