• Archive: Kolumbien

Kolumbiens Frieden in Trümmern

Okt 12

Drei Jahre ist es her, dass der Frieden in Kolumbien greifbar nah schien. Damals schloss die Regierung, noch unter Präsident Juan Manuel Santos, mit der Farc-Guerilla einen Friedensvertrag. Der war zwar hoch umstritten, doch nach fünf Jahrzehnten Bürgerkrieg schien er die Möglichkeit eines gewaltfreien Zusammenlebens zu eröffnen. Die Gewalt aber war nie ganz verschwunden – und gerade kehrt sie mit Macht zurück.

Die Zahl der Morde an lokalen Aktivisten, die sich für die Umwelt, die Menschenrechte und den Friedensprozess engagieren, steigt. Die Zahl der Massaker ebenfalls. Alke Jenss, die am Arnold-Bergstraesser-Institut in Freiburg zur Sicherheitslage in Kolumbien forscht, sagt: Der Staat lässt die Gewalt zu. Manchmal verursacht er sie aber auch, oder er übt sie direkt selbst aus.

Zum Beispiel im vergangenen September, als in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá ein Mann in Polizeigewahrsam ums Leben kam. Der 46-jährige Javier Ordóñez starb, nachdem Polizisten ihn mit einem Elektroschocker malträtiert und geschlagen hatten. Angeblich hatte Ordóñez, ein Familienvater, der Anwalt werden wollte, die Ausgangssperre missachtet. Er soll an Kopfverletzungen gestorben sein.

Corona und Kolumbiens Frauen

Apr 27

Die Pandemie trifft Frauen oft härter als Männer. Darüber schreibt Die ZEIT in ihrer aktuellen Ausgabe:

Männer wie Frauen leiden unter Krisen wie der Corona-Pandemie. Aber ihre ökonomischen und sozialen Folgen treffen Frauen fast immer härter. Das war so nach der Ebola-Epidemie in Westafrika, das war so nach der globalen Finanzkrise. Werden Ressourcen und Arbeit knapp, verlieren Mädchen ihren Platz in der Schule und Frauen Job und Einkommen. Wer Letzteres für ein Phänomen armer Gesellschaften hält, der sei an die vergangene Woche hier in Deutschland erinnert.

Elisabeth Raether, „Die Krise der Frauen“, Die ZEIT No. 18/2020, S. 8

Ich habe einen kurzen Text über die Frauen in Kolumbien beigesteuert. Weil in so einer Sammlung, die ein Panorama über die ganze Welt hinweg entfalten soll, aber naturgemäß wenig Platz für das einzelne Land ist, gibt es hier eine längere Fassung meines Stücks:

Meine Bücher: Auf Reisen durch Mexiko und Kolumbien

Nov 20
Buchcover Niemand liebt das Leben mehr als wir und Wer singt erzählt wer tanzt überlebt

Mexiko ist viel mehr als der Drogenkrieg, von dem hier alle wissen. Das habe ich auf meiner Reise durchs Land im Sommer 2018 erfahren. Zwei Monate lang war ich unterwegs: vom Urlauberparadies Cancún bis zum Grenzzaun in Tijuana. Auf meiner Reise habe ich Musiker getroffen und Dichterinnen, die Geschichten in alten Sprachen erzählen. Weise Männer,

„Mit geschlossenen Augen in den Krieg“

Mai 2

Humberto de La Calle, ehemals Chefunterhändler der kolumbianischen Regierung für den Friedensprozess mit der Farc-Guerilla, wählte für seine Ansprache drastische Worte. „Wenn wir so weitermachen, ziehen wir mit geschlossenen Augen in einen Krieg“, warnte er am vergangenen Sonntag auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz. Um möglichst viele Menschen zu erreichen, verbreitete er seine Botschaft auch über Facebook und Twitter. „Sie werfen den Frieden weg“, sagte de La Calle, der sich derzeit für die Liberale Partei um die Präsidentschaft des Landes bewirbt. Und nach seiner Überzeugung haben einige in diesem Wahlkampf keine guten Absichten, was das Friedensabkommen mit der Farc angeht.

Anne-Klein-Frauenpreis für Jineth Bedoya und Angarita Robles

Mrz 4

Es ist eine verdiente Auszeichnung: Mayerlis Angarita Robles und Jineth Bedoya Lima haben den Anne-Klein-Frauenpreis der Heinrich-Böll-Stiftung erhalten: für ihren Kampf um die Rechte der Frauen in ihrer Heimat Kolumbien.

Wie die Stiftung erklärt, setzt sich Mayerlis Angarita seit Jahren für die Landrückgabe an zwangs­ver­triebene Frauen in der kolumbianischen Region Montes de Maria ein, wo sie 2000 das Frauenkollektiv „Narrar para Vivir“ (Erzählen um zu leben) gründete. Sie überlebte zwei Mordanschläge und setzte sich 2011 für die Schaffung eines Gesetzes für die Opfer des bewaffneten Konfliktes ein. Außerdem war sie an den Friedensverhandlungen in Havanna beteiligt und engagiert sich für die Umsetzung des Friedensvertrags.

Das Erbe Pablo Escobars

Mrz 4

Vor 25 Jahren wurde Pablo Escobar, Chef des Medellín-Kartells, von der Polizei erschossen. Manche in Kolumbien verehren den Drogenboss und Mörder immer noch als Helden, trotz seiner Verbrechen. Durch die Netflix-Serie „Narcos“ ist seine Popularität zuletzt noch gestiegen – nicht unbedingt zur Freude von Escobars Opfern und ihren Angehörigen (und vieler Politiker in Medellín. Denn die arbeiten mit viel Geld und Einsatz daran, der Welt zu zeigen, wie sehr sich ihre Stadt zum Guten gewandelt habe).

Jon Lee Anderson, Reporter des New Yorker, war zu Besuch in Medellín und schreibt über das mindestens ambivalente Verhältnis der Stadt und ihrer Bürger zu Pablo Escobar – und darüber, welches Erbe der Kartellchef hinterlassen hat. Das ist lesenswert, denn vieles, was Anderson beschreibt, kommt nicht nur in Kolumbien vor, sondern so gut wie überall: zum Beispiel, dass gewalttätige Outlaws eine morbide Faszination auf so viele Menschen ausüben.

No one disputes that Pablo Escobar was a murderer, a torturer, and a kidnapper. But he was loved by many in Medellín…

Ein geliebter Mörder? Wie passt das zusammen?

Warum Venezuela eine eigene Kryptowährung herausbring

Feb 18

Die meisten wollen nur noch weg: Wer Venezuela verlassen kann, geht, denn im Land selbst ist es für die meisten Menschen kaum noch möglich, sich mit dem Allernötigsten zu versorgen. Nahrungsmittel, Medikamente und andere Dinge des täglichen Bedarfs sind Mangelware. Viele Venezolaner hungern, viele finden ihre Nahrung auf dem Müll.

Es ist eine Flüchtlings-, Wirtschafts- und politische Krise, die in Deutschland kaum Beachtung findet. Die Nachbarländer Kolumbien und Brasilien haben kürzlich ihre Grenzkontrollen verstärkt, um Einreisende besser registrieren zu können und illegale Grenzübertritte zu verhindern. Alleine an einem Grenzübergang zwischen Kolumbien und Venezuela überqueren täglich, so wird berichtet, bis zu 37.000 Menschen die Grenze. Mehr als eine halbe Million Venezolaner leben demzufolge bereits in Kolumbien.

Zu Gast beim Reise- und Fotopodcast Gate7

Feb 1

Kai Behrmann ist Sportjournalist in Hamburg – und ganz nebenbei Fotograf und Reisender aus Leidenschaft. Als solcher betreibt er den sehr empfehlenswerten Reise- und Fotografieblog Gate7 mit angeschlossenem Podcast, bei dem ich in der vergangenen Woche zu Gast sein durfte.

Eine gute Stunde lang fragte der Kollege mir Löcher in den Bauch – über mein Buch „Wer singt, erzählt – wer tanzt, überlebt“; darüber, was mich an Kolumbien so fasziniert, warum ich immer wieder dorthin reise, wie sicher das Land für Touristen sei, und welche Orte man unbedingt gesehen haben müsse. Das hat mir großen Spaß gemacht. Vielen Dank dafür!