• Archive: Bürgerkrieg

In Kolumbien werden Aktivisten ermordet – wie schon einmal in den Achtzigern

Aug 14

Seit vergangenen Dezember wurden in Kolumbien 44 lokale Führungspersönlichkeiten ermordet: Opfervertreter, Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten, indigene Räte, Bauernführer. Zuletzt starben am 9. August Idalia Castillo Narváez aus Rosas und Fernando Asprillo aus Piamonte. Beide Orte befinden sich im Department Cauca.

Wer hinter den Morden steckt, wird in den einzelnen Fällen meist nicht ermittelt. Aber häufig scheinen es illegale bewaffnete Gruppen zu sein, die den Abzug der Farc aus bestimmten Regionen dazu nutzen, ihren Einfluss auszuweiten. Besonders umkämpft sind Gegenden, in denen der Drogenanbau oder andere Zweige der Schattenwirtschaft einträgliche Profite abwerfen – zum Beispiel Goldabbau ohne Lizenz, Waffen- oder Drogenhandel. Im Cauca ist das der Fall.

Hier gibt es sehr wohl Liebe

Sep 8

Einst war Medellín eine Hochburg der Drogenmafia, Reich des Paten Pablo Escobar. Heute gilt sie als Vorzeigestadt. Wie der Wandel gelang? Darüber habe ich für ZEIT ONLINE geschrieben. Ich habe die Comuna 13 besucht, früher eines der berüchtigsten Viertel der Stadt. Hier hatte die Farc ihre Basis, hier entfesselte der damalige Präsident Álvaro Uribe die

Doña María del Carmen

Aug 28
María del Carmen

María del Carmen

In Puerto Asís, ganz im Süden Kolumbiens, ist die Straße zu Ende. Wer von hier aus weiter will, muss das Boot nehmen: den Putumayo-Fluss und dann den Amazonas entlang, immer weiter Richtung Osten. Rechts des Ufers befindet sich Ecuador, weiter östlich Peru und später Brasilien.

Aus dem Norden ist Puerto Asís gut über eine Straße zu erreichen. Immerhin. Es ist noch gar nicht so lange her, da war die Stadt noch viel abgelegener. Doña María del Carmen kann sich gut daran erinnern.

Frieden, was ist das?

Aug 25

Wie wäre das, wenn der Frieden käme? Wer diese Frage in Kolumbien stellt, nach 50 Jahren Bürgerkrieg, erhält in Variationen die immer gleiche Antwort: In Ruhe leben zu können. Mit der Familie, mit Freunden. Ohne bedrängt, bedroht, misshandelt, vertrieben zu werden. Nachts ohne Furcht auf die Straße gehen zu können. Sich keine Gedanken mehr über Sicherheitsvorkehrungen machen zu müssen.

Kurz: Einfach in Ruhe gelassen zu werden.

Für den gemeinen Mitteleuropäer klingt das spießig. Für viele Kolumbianer wäre es das Paradies.

Schmutziger Goldrausch in El Salvador

Jan 10

Jeden Tag könnte in Washington das Urteil fallen, das über die Zukunft eines ganzen Landes entscheidet. Der Kläger: Pacific Rim, ein kanadischer Bergbaukonzern, den es gar nicht mehr gibt. Das Gericht: ein Schiedsgericht der Weltbank. Der Beklagte: El Salvador, ein von Gewalt malträtiertes, kleines mittelamerikanisches Land. Es geht um reiche Goldvorkommen – und um die Frage, ob ein armes Land wie El Salvador es sich erlauben darf, um der Umwelt willen ihre Ausbeutung zu verbieten. Die Mehrheit der Salvadoreños wäre dafür.

Drummond schlägt zurück

Apr 22

Sind die Chefs des US-Kohlekonzerns Drummond verantwortlich für Morde und andere Gewalttaten in Kolumbien? Im vergangenen Herbst präsentierte die niederländische Organisation Pax (ehemals Pax Christi) einen Report mit starken Hinweisen darauf. Bürgerkriegsopfer und Menschenrechtsanwälte erhoben ähnliche Vorwürfe; sie hatten den Konzern deshalb in Alabama verklagt. Jetzt geht Drummond in die Gegenoffensive.

Kolumbien ist weit; doch die Verbindung zwischen Drummond und den deutschen Stromverbrauchern ist eine kurze. Der Konzern ist einer der drei großen kolumbianischen Kohleförderer. Die liefern ihre Kohle vor allem nach Europa, und Deutschland ist, neben den Niederlanden und Großbritannien, ein wichtiger Kunde.

Bogotá, die feindselige Stadt

Okt 20

Der Bürgerkrieg kam nur selten bis Bogotá. Auf den Straßen herrscht trotzdem Nahkampf. Ich habe dort gelernt: Glücklich ist, wer in einem Land lebt, in dem die Bürger den öffentlichen Raum zu jeder Tages- und Nachtzeit ohne Sicherheitsbedenken in Besitz nehmen können.

Jineth Bedoya schweigt nicht mehr

Jul 17
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Die Journalistin Jineth Bedoya Lima

Vor 14 Jahren wurde Jineth Bedoya Lima entführt, vergewaltigt und fast totgeschlagen. Die Journalistin hatte einen Fall von Waffenschmuggel recherchiert. Offenbar kam sie dabei mächtigen Paramilitärs in die Quere. Bis heute ist das Verbrechen an ihr nicht aufgeklärt.

Sie hat überlebt, was vielen kolumbianischen Frauen widerfährt. Zwischen 2001 und 2009 seien inmitten des bewaffneten Konflikts fast eine halbe Million Frauen vergewaltigt worden, sagt sie. „Und das sind nur die dokumentierten Fälle. Insgesamt können es durchaus zwei Millionen gewesen sein.“

Gewalt gegen Frauen ist in Kolumbien ein Riesenproblem. Wegen der tief verwurzelten Macho-Mentalität, wegen des Bürgerkriegs, der die Brutalität alltäglich machte, und wegen der Narco-Kultur der Drogenhändler, die Frauen als schönes, verfügbares Statussymbol betrachten, sagt Bedoya. Fast alle Fälle von sexualisierter Gewalt gingen in Kolumbien straffrei aus; meist gingen die Frauen gar nicht zur Polizei: aus Scham, aus Angst vor dem Täter oder weil sie den Sicherheitskräften selbst nicht trauten.