• Archive: Sicherheit & Konflikt

Es gibt viele Marielle Francos

Mrz 23

Nach ihrem gewaltsamen Tod wurde die Stadträtin aus Rio weltweit bekannt. Sie ist nicht die Einzige, die umgebracht wurde, weil sie für eine bessere Welt kämpfte.

Es gibt eine Redensart, angeblich stammt sie aus Mexiko: „Sie wollten uns begraben. Aber sie wussten nicht, dass wir Samen waren.“ Sie gilt für viele, die wegen ihres Engagements – für die Umwelt, für Menschenrechte, für Indigene, Schwarze, Frauen, Arme – umgebracht wurden; die ermordet wurden, weil sie den Mächtigen lästig waren, aber dann, mit ihrem Tod, größeren Einfluss entfalteten als zuvor.

Offensichtlich war Marielle Franco so jemand. Bevor die linke Stadträtin und Menschenrechtsaktivistin am Abend des 14. April in Rio de Janeiro erschossen wurde, kannten sie außerhalb Brasiliens nicht viele, doch durch ihren gewaltsamen Tod wurde die Welt auf sie aufmerksam.

Anne-Klein-Frauenpreis für Jineth Bedoya und Angarita Robles

Mrz 4

Es ist eine verdiente Auszeichnung: Mayerlis Angarita Robles und Jineth Bedoya Lima haben den Anne-Klein-Frauenpreis der Heinrich-Böll-Stiftung erhalten: für ihren Kampf um die Rechte der Frauen in ihrer Heimat Kolumbien.

Wie die Stiftung erklärt, setzt sich Mayerlis Angarita seit Jahren für die Landrückgabe an zwangs­ver­triebene Frauen in der kolumbianischen Region Montes de Maria ein, wo sie 2000 das Frauenkollektiv „Narrar para Vivir“ (Erzählen um zu leben) gründete. Sie überlebte zwei Mordanschläge und setzte sich 2011 für die Schaffung eines Gesetzes für die Opfer des bewaffneten Konfliktes ein. Außerdem war sie an den Friedensverhandlungen in Havanna beteiligt und engagiert sich für die Umsetzung des Friedensvertrags.

Das Erbe Pablo Escobars

Mrz 4

Vor 25 Jahren wurde Pablo Escobar, Chef des Medellín-Kartells, von der Polizei erschossen. Manche in Kolumbien verehren den Drogenboss und Mörder immer noch als Helden, trotz seiner Verbrechen. Durch die Netflix-Serie „Narcos“ ist seine Popularität zuletzt noch gestiegen – nicht unbedingt zur Freude von Escobars Opfern und ihren Angehörigen (und vieler Politiker in Medellín. Denn die arbeiten mit viel Geld und Einsatz daran, der Welt zu zeigen, wie sehr sich ihre Stadt zum Guten gewandelt habe).

Jon Lee Anderson, Reporter des New Yorker, war zu Besuch in Medellín und schreibt über das mindestens ambivalente Verhältnis der Stadt und ihrer Bürger zu Pablo Escobar – und darüber, welches Erbe der Kartellchef hinterlassen hat. Das ist lesenswert, denn vieles, was Anderson beschreibt, kommt nicht nur in Kolumbien vor, sondern so gut wie überall: zum Beispiel, dass gewalttätige Outlaws eine morbide Faszination auf so viele Menschen ausüben.

No one disputes that Pablo Escobar was a murderer, a torturer, and a kidnapper. But he was loved by many in Medellín…

Ein geliebter Mörder? Wie passt das zusammen?

Warum Venezuela eine eigene Kryptowährung herausbring

Feb 18

Die meisten wollen nur noch weg: Wer Venezuela verlassen kann, geht, denn im Land selbst ist es für die meisten Menschen kaum noch möglich, sich mit dem Allernötigsten zu versorgen. Nahrungsmittel, Medikamente und andere Dinge des täglichen Bedarfs sind Mangelware. Viele Venezolaner hungern, viele finden ihre Nahrung auf dem Müll.

Es ist eine Flüchtlings-, Wirtschafts- und politische Krise, die in Deutschland kaum Beachtung findet. Die Nachbarländer Kolumbien und Brasilien haben kürzlich ihre Grenzkontrollen verstärkt, um Einreisende besser registrieren zu können und illegale Grenzübertritte zu verhindern. Alleine an einem Grenzübergang zwischen Kolumbien und Venezuela überqueren täglich, so wird berichtet, bis zu 37.000 Menschen die Grenze. Mehr als eine halbe Million Venezolaner leben demzufolge bereits in Kolumbien.

Nicht nur Oxfam: Wie Missbrauch unter Nothelfern normalisiert wird

Feb 18

In den vergangenen Tagen kamen Berichte ans Licht, denen zufolge Oxfam-Mitarbeiter von hilfsbedürftigen Frauen in Haiti und im Tschad Sex im Gegenzug für Nothilfe erpresst haben sollen. Auch Ärzte ohne Grenzen und das International Rescue Committee (IRC) berichteten von sexuellen Übergriffen durch eigene Mitarbeiter. In der Vergangenheit gab es immer wieder Berichte über sexuellen Missbrauch und Ausbeutung durch UN-Blauhelmsoldaten im Einsatz.

Blauhelme, Nothelfer und Mitarbeiter von Entwicklungsorganisationen haben eins gemeinsam, sagt Kathleen Jennings, die zu sexuellem Missbrauch in UN-Friedensmissionen geforscht hat: Sie bewegen sich im Einsatz in einem „toxischen Umfeld“, dass den Missbrauch als etwas Normales darstellt:

Kolumbiens zerbrechlicher Frieden

Nov 24

Vor einem Jahr unterzeichneten Kolumbiens Regierung und die Farc-Guerilla ihren Friedensvertrag. Die Hoffnungen waren groß – im Ausland vielleicht sogar noch größer als unter den Kolumbianern selbst. Sie wussten, wie kompliziert es werden würde, einen wirklich stabilen Frieden zu erreichen.

Heute wirkt der Friede brüchig. Mehr als die Hälfte der Guerilleros sind, das sagt die UNO, aus den Übergangslagern verschwunden, in denen ihnen eigentlich der Weg ins zivile Leben geebnet werden sollte. Vielleicht sind sie zu ihren Familien gegangen, vielleicht aber auch zurück in den Dschungel. Tobias Käufer hat für die Tageszeitung Die Welt das Übergangslager in Mesetas besucht, das größte des Landes. Er schreibt:

1.000 Farc-Dissidenten in Kolumbien aktiv

Nov 3

Ihre obersten Anführer haben einen Friedensvertrag mit der kolumbianischen Regierung geschlossen. Aber etwa 1.000 Farc-Kämpfer befinden sich immer noch unter Waffen. Und sie haben nicht die Absicht, ihre Gewehre niederzulegen. Das ergibt sich aus einem Bericht der International Crisis Group, den diese vor Kurzem veröffentlicht hat.