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Kolumbiens zerbrechlicher Frieden

Nov 24

Vor einem Jahr unterzeichneten Kolumbiens Regierung und die Farc-Guerilla ihren Friedensvertrag. Die Hoffnungen waren groß – im Ausland vielleicht sogar noch größer als unter den Kolumbianern selbst. Sie wussten, wie kompliziert es werden würde, einen wirklich stabilen Frieden zu erreichen.

Heute wirkt der Friede brüchig. Mehr als die Hälfte der Guerilleros sind, das sagt die UNO, aus den Übergangslagern verschwunden, in denen ihnen eigentlich der Weg ins zivile Leben geebnet werden sollte. Vielleicht sind sie zu ihren Familien gegangen, vielleicht aber auch zurück in den Dschungel. Tobias Käufer hat für die Tageszeitung Die Welt das Übergangslager in Mesetas besucht, das größte des Landes. Er schreibt:

Schlechte Nachrichten aus Kolumbien

Okt 18

Ein Wandgemälde in Mocoa, Putumao, erinnert an die gewaltsam umgekommenen Toten des Bürgerkriegs

Vergangenen Sommer war ich im Putumayo unterwegs, ganz im Südwesten Kolumbiens. Damals hofften die Menschen dort auf den Friedensprozess. Es war eine bescheidene Hoffnung. „Frieden, was bedeutet das?“ fragte ich fast alle, die ich traf. Die Antwort war so gut wie immer gleich: „Wir wollen in Ruhe gelassen werden. Damit wir leben, arbeiten, unsere Kinder großziehen können.“ Alles Dinge, die hier in Mitteleuropa selbstverständlich scheinen.

Es scheint, als werde sich die Hoffnung der Menschen vorerst nicht erfüllen. Vor ein paar Tagen erhielt ich eine Nachricht von einer Bekannten aus dem Putumayo. Sie erzählte mir von einer Straßenblockade abtrünniger Farc-Guerilleros, die ihre Waffen nicht abgegeben haben, im benachbarten Department Caquetá.

„Die Farc ziehen wieder Steuern von den Campesinos ein“, schrieb sie. „Für jede Kuh und jede Nutzpflanzung, die sie besitzen.“ Sie habe Angst, mehr noch als während der Zeit des Bürgerkriegs. „Damals kannte ich die Leute beider Seiten und wusste, wie weit ihr Einfluss reicht. Jetzt aber handelt es sich um sehr schlechte Menschen, die nicht zuhören und nur ihre wirtschaftlichen Interessen verfolgen.“

Wirtschaftliche Interessen? Gemeint ist das Drogengeschäft. Im Süden Kolumbiens, auf dem Land, geht es um den Anbau von Koka und den Drogenhandel.

Dies ist – sinngemäß wiedergegeben – die Nachricht:

Doña María del Carmen

Aug 28
María del Carmen

María del Carmen

In Puerto Asís, ganz im Süden Kolumbiens, ist die Straße zu Ende. Wer von hier aus weiter will, muss das Boot nehmen: den Putumayo-Fluss und dann den Amazonas entlang, immer weiter Richtung Osten. Rechts des Ufers befindet sich Ecuador, weiter östlich Peru und später Brasilien.

Aus dem Norden ist Puerto Asís gut über eine Straße zu erreichen. Immerhin. Es ist noch gar nicht so lange her, da war die Stadt noch viel abgelegener. Doña María del Carmen kann sich gut daran erinnern.

Im Putumayo hoffen sie auf Frieden

Aug 22

Mocoa, Departamento Putumayo, Kolumbien: Etwa die Hälfte der Bevölkerung ist hier offiziell als Opfer des Bürgerkriegs registriert. Mit dem Wandgemälde, das auf dem Bild zu sehen ist, erinnert eine Allianz von Frauenorganisationen an ihre Toten. Ich habe die kämpferischen Frauen getroffen – jetzt bereiten sie sich auf den Friedensprozess vor.