• Archive: Desaparecidos

Wer sind Mexikos Verschwundene?

Feb 23

Wenn in Lateinamerika eine Person vermisst wird, dann bedeutet das nichts Gutes. In der Regel sind die Desaparecidosalso Verschwundenen, nicht freiwillig von ihren Familien weggelaufen. Desaparecido ist ein Euphemismus für: entführt, gefoltert, wahrscheinlich tot.

Für die Angehörigen ist die Ungewissheit darüber, was mit ihren Lieben geschehen ist, oft kaum auszuhalten. Und jeder könnte das nächste Opfer sein. Das macht das Verschwindenlassen zu einer wirksamen Terrormethode, beliebt unter Gewaltherrschern aller Art. In der Vergangenheit ließen Diktatoren ihre Gegner verschwinden. Heute sind kriminelle Gangs die Täter, manchmal im Verbund mit Vertretern des Staats.

Mexiko protestiert für die 43 Studenten von Ayotzinapa

Nov 12

Mexiko ist weiter in Aufruhr. Bei Protesten gegen die Regierung setzten Demonstranten in Chilpancingo, der Hauptstadt des Bundesstaats Guerrero, gestern das Hauptquartier der Regierungspartei PRI in Brand. Es kam zu gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei; drei Menschen wurden verletzt. Auch anderswo eskalierten die Proteste in Gewalt.

Die Menschen verlangen Aufklärung über das Schicksal der verschwundenen 43 Studenten, und sie misstrauen dem Staat, denn das Verbrechen an den 43 legt die unguten Verflechtungen zwischen Mafia, Politik und Gesellschaft schonungslos offen. Was wird als nächstes geschehen? Niemand weiß es. Hier eine (unvollständige) Liste von Texten, die helfen, die mexikanische Tragödie zu verstehen.

Mexiko, sprachlos vor Entsetzen

Nov 8

Die Mörder erschossen ihre Opfer auf einer Müllkippe. Manche waren da schon tot, erstickt in den Fahrzeugen, in denen sie gebracht worden waren. Sie schichteten die Toten auf wie Feuerholz, übergossen die Leichen mit Benzin und zündeten sie an. Der Scheiterhaufen brannte 14 Stunden lang: die ganze Nacht durch und bis zum Nachmittag des folgenden Tages, geschürt durch Brennholz, Plastik und Autoreifen. Angeblich bemerkte niemand irgend etwas, doch das Feuer muss weithin geleuchtet und eine gewaltige Rauchsäule verursacht haben.

Als die Flammen erloschen und die Asche erkaltet waren, zerbrachen die Mörder die übrig gebliebenen Knochen und steckten die Überreste in Plastiksäcke, die man später am Rand eines Bachs fand. So sehr verbrannt waren die Leichen, dass Zähne, die mit den Überresten gefunden wurden, bei der leisesten Berührung zu feinem Staub zerfielen.

So beschreibt die spanische Tageszeitung El Mundo das Ende der 43 vermissten Studenten von Iguala.

„Ich denke, also lassen sie mich verschwinden“

Okt 29

Pienso, luego me desaparecen – Ich denke, also lassen sie mich verschwinden.

Die Inschrift steht über einem offenen Brief, den mehrere Intellektuelle aus Mexiko und anderen Ländern im Protest für die verschwundenen Studenten von Ayotzinapa verfasst haben. Zu den Unterzeichnern gehören die Ikonen der Linken Eduardo Galeano, Saskia Sassen, Michael Hardt, Antonio Negri und Naomi Klein.

Der Brief ist eine Anklage, und ein wütender Hilferuf.

Der Krieg um den Schlafmohn und Mexikos Verschwundene

Okt 25

Fast einen Monat ist es her, dass im südmexikanischen Bundesstaat Guerrero 43 Studenten verschwanden, und noch immer weiß man nicht, was aus ihnen geworden ist. Jetzt verstärkt Präsident Enrique Peña Nieto die Präsenz von Polizei und Militär in Guerrero. Er „panzere“ den Bundesstaat, um die Bevölkerung zu schützen, schreibt das Polit-Portal Animal Político.

Auch als vor ungefähr einem Jahr im benachbarten Bundesstaat Michoacán die Kartelle um die Vorherrschaft kämpften, schickte Peña Nieto die Armee. In Guerrero wie in Michoacán stehen die lokalen Sicherheitskräfte und Politiker im Ruf, mit dem organisierten Verbrechen zu paktieren. Die Soldaten der Zentralregierung sollen diese Komplizenschaft aufbrechen.

Uribe, der Unversöhnliche

Sep 29

Eigentlich sollte Kolumbiens Ex-Präsident Álvaro Uribe im Senat Auskunft geben über seine vermuteten Verbindungen zu rechten Paramilitärs. Doch statt die Fragen der anderen Parlamentarier zu beantworten, griff er seine Gegner frontal an. Er sagte, sie seien mit der Guerilla im Bunde. Die Betroffenen bringt das in Lebensgefahr. Und es behindert den Friedensprozess im Land.

Es ist typisch für Uribe, politische Gegner zu verunglimpfen, ohne Belege für seine Anwürfe vorzulegen. Er kommt immer wieder damit durch.

Eine Woche für die Verschwundenen

Jun 4

In den Jahrzehnten des Konflikts sind in Kolumbien Zehntausende Menschen verschwunden. Oder vielmehr: Man hat sie verschwinden lassen. „Desaparecer“, verschwinden, ist im lateinamerikanischen Spanisch nichts, was einfach so passiert. Es ist ein Gewaltakt, ein Verbrechen, das man einem anderen Menschen antut.