• Ein Blog von Alexandra Endres

Voith Hydro zieht sich aus Agua Zarca zurück

Aug 14

Eigentlich sollte das deutsche Unternehmen Voith Hydro Turbinen an das umstrittene Wasserkraftvorhaben Agua Zarca in Honduras liefern. Doch jetzt hat sich die Firma endgültig aus dem Projekt zurückgezogen. Das meldet heute die Organisation Oxfam. Auf Anfrage bestätigt ein Sprecher von Voith Hydro telefonisch: Es besteht kein Vertragsverhältnis mehr zur Agua-Zarca-Betreiberfirma Desa. Zu den näheren Umständen will sich das Unternehmen allerdings nicht äußern.

In Kolumbien werden Aktivisten ermordet – wie schon einmal in den Achtzigern

Aug 14

Seit vergangenen Dezember wurden in Kolumbien 44 lokale Führungspersönlichkeiten ermordet: Opfervertreter, Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten, indigene Räte, Bauernführer. Zuletzt starben am 9. August Idalia Castillo Narváez aus Rosas und Fernando Asprillo aus Piamonte. Beide Orte befinden sich im Department Cauca.

Wer hinter den Morden steckt, wird in den einzelnen Fällen meist nicht ermittelt. Aber häufig scheinen es illegale bewaffnete Gruppen zu sein, die den Abzug der Farc aus bestimmten Regionen dazu nutzen, ihren Einfluss auszuweiten. Besonders umkämpft sind Gegenden, in denen der Drogenanbau oder andere Zweige der Schattenwirtschaft einträgliche Profite abwerfen – zum Beispiel Goldabbau ohne Lizenz, Waffen- oder Drogenhandel. Im Cauca ist das der Fall.

Don Alfonso will mich heiraten

Jul 29

Don Alfonso, ein Caballero von zweiundachtzig Jahren, verliert keine Sekunde, als er mich sieht. Er folgt mir unverzüglich ins Café und bietet mir formvollendet einen Stuhl an.

Dann fragt er mich, was ich zu trinken wünsche. Ich halte ihn für einen Ober, denn er trägt ein weißes, weites Leinenhemd mit einer dunklen Fliege. Erst als er schon entschwunden ist, fällt mir auf: Dies ist ein Café mit Selbstbedienung. Wer ist der Mann?

Als Don Alfonso mit zwei Eistees und einem Teller voller Kekse zurückkehrt und mit der größten Selbstverständlichkeit und absolut charmant an meinem Tisch Platz nimmt, wird mir klar, was hier gespielt wird: Dieser Caballero ist auf einen Flirt aus. Amüsiert und ein wenig gespannt darauf, was jetzt wohl kommt, nehme ich seine Einladung an.

Und ich werde prächtig unterhalten, denn Don Alfonso ist ein Schmeichler vor dem Herrn. Komplimente verteilen heißt auf Spanisch: tirar flores, Blumen werfen. Don Alfonso wirft mit Blumen nur so um sich. Die ortsansässigen Damen im Café kennen das schon.

Wer singt, erzählt – wer tanzt, überlebt

Jul 26

Wer singt, erzählt – wer tanzt, überlebt: So heißt das Buch, das ich über meine Reise durch Kolumbien geschrieben habe. Seit ein paar Tagen steht es in den Läden, und meine Freude ist so groß, wie sie nur sein kann.

Für das Buch habe ich Trommler und Baletttänzer in Cartagena besucht, Arhuaco in Santa Marta und Wayúu in der Guajira. Ich war in Bogotá, Medellín, Quibdó und Cali, und bin von dort aus immer weiter gen Süden gefahren, bis in der Nähe von Puerto Asís die Straße aufhörte und ich nur noch per Boot auf dem Putumayo-Fluss weitergekommen wäre.

Dann war meine Reisezeit zu Ende. Die Bootsfahrt habe ich mir für ein anderes Mal aufgehoben.

FMO und Finnfund steigen aus Agua Zarca aus

Jul 18

Als erster hatte der Guardian darüber berichtet, seit ein paar Tagen ist es offiziell: Die niederländische Entwicklungsbank FMO und ihr finnisches Pendant Finnfund haben erklärt, sich komplett aus dem Projekt Agua Zarca zurückzuziehen. Agua Zarca ist jenes Wasserkraftwerk in Honduras, gegen das die Aktivistin Berta Cáceres protestierte. Um sie zum Schweigen zu bringen, wurde sie in der Nacht vom 2. auf den 3. März 2016 in ihrem Haus ermordet.

Die Schlammlawine von Mocoa

Mai 1
Mocoa, kurz nach der Katastrophe.

Einen Monat ist es her, dass die kolumbianische Stadt Mocoa von einer Schlammlawine verwüstet wurde. Immer noch sind die Schäden groß. Mir ist es ein Bedürfnis, den Menschen dort zu helfen, so gut ich das aus der Ferne kann.

Mocoa, kurz nach der Katastrophe. Das Gebäude im Hintergrund ist ein Kindergarten.

Mocoa, kurz nach der Katastrophe. Das Gebäude im Hintergrund ist ein Kindergarten. Auf den Straßen liegen Felsbrocken und Baumstämme, der Schutt stapelt sich. Mehre hundert Menschen starben, Häuser wurden weggerisse, ganze Viertel zerstört.

Ich war im vergangenen Jahr in Mocoa und im Departement Putumayo, dessen Hauptstadt Mocoa ist, unterwegs. Es ist nicht ganz ungefährlich, dort zu reisen. Aber die Menschen, die ich getroffen habe, passten auf mich auf. Und zwar alle, in jedem Moment. Ich habe dort eine sehr selbstverständliche und herzliche Gastfreundschaft erlebt und Freundschaften geschlossen.

Der Frieden in Kolumbien ist tödlich

Apr 30

Zumindest für Aktivisten ist dieser Friede lebensgefährlich: Seit der Friedensvertrag zwischen kolumbianischer Regierung und Farc in Kraft getreten ist, wurden in Kolumbien Dutzende Aktivisten ermordet. Ortschaftsräte, Frauenrechtlerinnen, Umweltschützer, Bauern, die kein Koka mehr anbauen wollen – oder einfach Menschen, die, aus welchem Grund auch immer, verdächtigt werden, der Farc nahezustehen.

Es scheint, als würde die Gewalt ausgerechnet jene treffen, die sich dafür engagieren, dass der neue Friede allen Kolumbianerinnen und Kolumbianern zugute kommt.

Wer ließ Berta Cáceres töten?

Dez 7

Wäre Gustavo Castro nicht bei Berta Cáceres gewesen, als ihre Mörder kamen, die Welt hätte das Verbrechen wohl längst vergessen. Die Aktivistin wäre in die Geschichte eingegangen als ein weiteres Gewaltopfer in ihrem Heimatland Honduras: noch eine Zahl in einer Statistik, noch ein unaufgeklärter Fall, noch ein ungestraftes Verbrechen.

„Sie planten einen sauberen Mord“, sagt Gustavo Castro, „die Hintermänner hätten sich alles Mögliche ausdenken können.“ Bertas Tod als tragische Folge eines Raubüberfalls darstellen, zum Beispiel, niemand hätte widersprechen können.

Doch Gustavo war da. Er sah einen der Mörder und erlebte, wie die Polizei danach versuchte, die Tat einem anderen anzuhängen. Der Mann, den er sah, schoss auch auf ihn, Gustavo Castro hatte Glück, die Kugel streifte seine Hand und sein linkes Ohr. Dann hörte er Berta Cáceres im Nebenzimmer rufen. Sie verblutete in seinen Armen.

Am Fluss, für den Berta Cáceres ihr Leben ließ

Okt 17

Eva aus Río Blanco, Honduras

Das ist Eva, ein Mädchen, das ich gestern kennengelernt habe, auf Besuch in ihrer Gemeinde Río Blanco, in Honduras. Eva geht dort in die Grundschule. Sie will Anwältin werden. „Man muss lernen!“ sagte sie mir, „und sich vor den Jungs in Acht nehmen. Denn wenn Du mit ihnen was anfängst, und selbst Kinder bekommst, dann musst Du das Lernen aufgeben.“ Eva weiß Bescheid.

Gemeinsam mit ihrer Mutter und weiteren Nachbarn zeigte mir Eva ihren Fluss. Es ist der Río Gualcarque, in dem die Firma Desa ein Wasserkraftwerk bauen will. Voith aus Deutschland sollte die Turbinen liefern. Aber im Moment liegt das Projekt auf Eis.