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„Sie sagen, hier kann man leben“: Warum so viele Menschen aus Zentralamerika nach Mexiko fliehen

Mrz 28

Es herrscht kein Krieg in El Salvador, Honduras und Guatemala. Zumindest nicht so, wie Krieg herrscht in Syrien oder im Jemen: Es fallen keine Bomben, und keine Panzer rollen über die Straßen.

Trotzdem ist in den drei Ländern Zentralamerikas niemand seines Lebens sicher. Die Gangs kontrollieren die Region, sie handeln mit Drogen, erpressen Schutzgeld, entführen Geschäftsleute und zwingen die Söhne der Nachbarn, für sie zu arbeiten. Die Töchter sind Freiwild für sie. Wenn Eltern versuchen, ihre Kinder zu schützen; wenn irgend jemand sich wehrt, den Bossen widerspricht oder sonst einen Fehler begeht, dann wird er umgebracht – oder muss um sein Leben rennen.

Das Erbe Pablo Escobars

Mrz 4

Vor 25 Jahren wurde Pablo Escobar, Chef des Medellín-Kartells, von der Polizei erschossen. Manche in Kolumbien verehren den Drogenboss und Mörder immer noch als Helden, trotz seiner Verbrechen. Durch die Netflix-Serie „Narcos“ ist seine Popularität zuletzt noch gestiegen – nicht unbedingt zur Freude von Escobars Opfern und ihren Angehörigen (und vieler Politiker in Medellín. Denn die arbeiten mit viel Geld und Einsatz daran, der Welt zu zeigen, wie sehr sich ihre Stadt zum Guten gewandelt habe).

Jon Lee Anderson, Reporter des New Yorker, war zu Besuch in Medellín und schreibt über das mindestens ambivalente Verhältnis der Stadt und ihrer Bürger zu Pablo Escobar – und darüber, welches Erbe der Kartellchef hinterlassen hat. Das ist lesenswert, denn vieles, was Anderson beschreibt, kommt nicht nur in Kolumbien vor, sondern so gut wie überall: zum Beispiel, dass gewalttätige Outlaws eine morbide Faszination auf so viele Menschen ausüben.

No one disputes that Pablo Escobar was a murderer, a torturer, and a kidnapper. But he was loved by many in Medellín…

Ein geliebter Mörder? Wie passt das zusammen?

Kolumbiens zerbrechlicher Frieden

Nov 24

Vor einem Jahr unterzeichneten Kolumbiens Regierung und die Farc-Guerilla ihren Friedensvertrag. Die Hoffnungen waren groß – im Ausland vielleicht sogar noch größer als unter den Kolumbianern selbst. Sie wussten, wie kompliziert es werden würde, einen wirklich stabilen Frieden zu erreichen.

Heute wirkt der Friede brüchig. Mehr als die Hälfte der Guerilleros sind, das sagt die UNO, aus den Übergangslagern verschwunden, in denen ihnen eigentlich der Weg ins zivile Leben geebnet werden sollte. Vielleicht sind sie zu ihren Familien gegangen, vielleicht aber auch zurück in den Dschungel. Tobias Käufer hat für die Tageszeitung Die Welt das Übergangslager in Mesetas besucht, das größte des Landes. Er schreibt:

1.000 Farc-Dissidenten in Kolumbien aktiv

Nov 3

Ihre obersten Anführer haben einen Friedensvertrag mit der kolumbianischen Regierung geschlossen. Aber etwa 1.000 Farc-Kämpfer befinden sich immer noch unter Waffen. Und sie haben nicht die Absicht, ihre Gewehre niederzulegen. Das ergibt sich aus einem Bericht der International Crisis Group, den diese vor Kurzem veröffentlicht hat.

Schlechte Nachrichten aus Kolumbien

Okt 18

Ein Wandgemälde in Mocoa, Putumao, erinnert an die gewaltsam umgekommenen Toten des Bürgerkriegs

Vergangenen Sommer war ich im Putumayo unterwegs, ganz im Südwesten Kolumbiens. Damals hofften die Menschen dort auf den Friedensprozess. Es war eine bescheidene Hoffnung. „Frieden, was bedeutet das?“ fragte ich fast alle, die ich traf. Die Antwort war so gut wie immer gleich: „Wir wollen in Ruhe gelassen werden. Damit wir leben, arbeiten, unsere Kinder großziehen können.“ Alles Dinge, die hier in Mitteleuropa selbstverständlich scheinen.

Es scheint, als werde sich die Hoffnung der Menschen vorerst nicht erfüllen. Vor ein paar Tagen erhielt ich eine Nachricht von einer Bekannten aus dem Putumayo. Sie erzählte mir von einer Straßenblockade abtrünniger Farc-Guerilleros, die ihre Waffen nicht abgegeben haben, im benachbarten Department Caquetá.

„Die Farc ziehen wieder Steuern von den Campesinos ein“, schrieb sie. „Für jede Kuh und jede Nutzpflanzung, die sie besitzen.“ Sie habe Angst, mehr noch als während der Zeit des Bürgerkriegs. „Damals kannte ich die Leute beider Seiten und wusste, wie weit ihr Einfluss reicht. Jetzt aber handelt es sich um sehr schlechte Menschen, die nicht zuhören und nur ihre wirtschaftlichen Interessen verfolgen.“

Wirtschaftliche Interessen? Gemeint ist das Drogengeschäft. Im Süden Kolumbiens, auf dem Land, geht es um den Anbau von Koka und den Drogenhandel.

Dies ist – sinngemäß wiedergegeben – die Nachricht:

In Kolumbien werden Aktivisten ermordet – wie schon einmal in den Achtzigern

Aug 14

Seit vergangenen Dezember wurden in Kolumbien 44 lokale Führungspersönlichkeiten ermordet: Opfervertreter, Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten, indigene Räte, Bauernführer. Zuletzt starben am 9. August Idalia Castillo Narváez aus Rosas und Fernando Asprillo aus Piamonte. Beide Orte befinden sich im Department Cauca.

Wer hinter den Morden steckt, wird in den einzelnen Fällen meist nicht ermittelt. Aber häufig scheinen es illegale bewaffnete Gruppen zu sein, die den Abzug der Farc aus bestimmten Regionen dazu nutzen, ihren Einfluss auszuweiten. Besonders umkämpft sind Gegenden, in denen der Drogenanbau oder andere Zweige der Schattenwirtschaft einträgliche Profite abwerfen – zum Beispiel Goldabbau ohne Lizenz, Waffen- oder Drogenhandel. Im Cauca ist das der Fall.

Der Frieden in Kolumbien ist tödlich

Apr 30

Zumindest für Aktivisten ist dieser Friede lebensgefährlich: Seit der Friedensvertrag zwischen kolumbianischer Regierung und Farc in Kraft getreten ist, wurden in Kolumbien Dutzende Aktivisten ermordet. Ortschaftsräte, Frauenrechtlerinnen, Umweltschützer, Bauern, die kein Koka mehr anbauen wollen – oder einfach Menschen, die, aus welchem Grund auch immer, verdächtigt werden, der Farc nahezustehen.

Es scheint, als würde die Gewalt ausgerechnet jene treffen, die sich dafür engagieren, dass der neue Friede allen Kolumbianerinnen und Kolumbianern zugute kommt.

Hier gibt es sehr wohl Liebe

Sep 8

Einst war Medellín eine Hochburg der Drogenmafia, Reich des Paten Pablo Escobar. Heute gilt sie als Vorzeigestadt. Wie der Wandel gelang? Darüber habe ich für ZEIT ONLINE geschrieben. Ich habe die Comuna 13 besucht, früher eines der berüchtigsten Viertel der Stadt. Hier hatte die Farc ihre Basis, hier entfesselte der damalige Präsident Álvaro Uribe die