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Wer singt, erzählt: Mein Buch über Kolumbien

Sep 19

Wer singt, erzählt – Wer tanzt, überlebt. Erschienen im DuMont Reiseverlag, 256 Seiten, 14,99 Euro.

Wer singt, erzählt – Wer tanzt, überlebt: So heißt das Buch, das ich über meine Reise durch Kolumbien geschrieben habe, und das seit einiger Zeit in den Läden steht.

Sie wollen mehr darüber wissen? Bitte folgen Sie mir hier entlang zu den gesammelten Blogbeiträgen meiner Reise.

Nach dem Erscheinen hatte ich das Vergnügen, mit Carsten Zillmann von der Rhein-Zeitung über meine Reise zu sprechen. Das Interview ist hier zu lesen. Joachim Casel von der Rhein-Neckar-Zeitung hat „Wer singt, erzählt – Wer tanzt, überlebt“ ebenfalls besprochen. Hier sein Artikel als Zeitungsseite im pdf-Format. Die erste Rezension kam übrigens von Blickpunkt Lateinamerika. Bitteschön, hier ist sie.

Casel und Zillmann stellten mir, wie so viele andere auch, die eine, große Frage: Wie gefährlich ist Kolumbien? Meine Antwort: Viel weniger als man hier in Deutschland so denkt. Dafür findet man in Kolumbien Musik, Gemeinschaft, Lebensfreude, eine überwältigende Natur, Traditionen.

Von der Musik handelt ein Buchauszug, der bei ZEIT ONLINE erschien und in ähnlicher Form auch schon einmal hier im Blog zu lesen war: Wie ich einmal versuchte, in Cartagena trommeln zu lernen. Und mein Besuch bei den Arhuaco in Santa Marta hat es in Die ZEIT geschafft (pdf).

Das sind die Basisdaten des Buchs:

Alexandra Endres: „Wer singt, erzählt – Wer tanzt, überlebt. Eine Reise durch Kolumbien“
Ostfildern: DuMont Reiseverlag 2017
256 Seiten – 14,99 Euro
ISBN 978-3-7701-8284-8

In Kolumbien werden Aktivisten ermordet – wie schon einmal in den Achtzigern

Aug 14

Seit vergangenen Dezember wurden in Kolumbien 44 lokale Führungspersönlichkeiten ermordet: Opfervertreter, Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten, indigene Räte, Bauernführer. Zuletzt starben am 9. August Idalia Castillo Narváez aus Rosas und Fernando Asprillo aus Piamonte. Beide Orte befinden sich im Department Cauca.

Wer hinter den Morden steckt, wird in den einzelnen Fällen meist nicht ermittelt. Aber häufig scheinen es illegale bewaffnete Gruppen zu sein, die den Abzug der Farc aus bestimmten Regionen dazu nutzen, ihren Einfluss auszuweiten. Besonders umkämpft sind Gegenden, in denen der Drogenanbau oder andere Zweige der Schattenwirtschaft einträgliche Profite abwerfen – zum Beispiel Goldabbau ohne Lizenz, Waffen- oder Drogenhandel. Im Cauca ist das der Fall.

Wer singt, erzählt – wer tanzt, überlebt

Jul 26

Wer singt, erzählt – wer tanzt, überlebt: So heißt das Buch, das ich über meine Reise durch Kolumbien geschrieben habe. Seit ein paar Tagen steht es in den Läden, und meine Freude ist so groß, wie sie nur sein kann.

Für das Buch habe ich Trommler und Baletttänzer in Cartagena besucht, Arhuaco in Santa Marta und Wayúu in der Guajira. Ich war in Bogotá, Medellín, Quibdó und Cali, und bin von dort aus immer weiter gen Süden gefahren, bis in der Nähe von Puerto Asís die Straße aufhörte und ich nur noch per Boot auf dem Putumayo-Fluss weitergekommen wäre.

Dann war meine Reisezeit zu Ende. Die Bootsfahrt habe ich mir für ein anderes Mal aufgehoben.

FMO und Finnfund steigen aus Agua Zarca aus

Jul 18

Als erster hatte der Guardian darüber berichtet, seit ein paar Tagen ist es offiziell: Die niederländische Entwicklungsbank FMO und ihr finnisches Pendant Finnfund haben erklärt, sich komplett aus dem Projekt Agua Zarca zurückzuziehen. Agua Zarca ist jenes Wasserkraftwerk in Honduras, gegen das die Aktivistin Berta Cáceres protestierte. Um sie zum Schweigen zu bringen, wurde sie in der Nacht vom 2. auf den 3. März 2016 in ihrem Haus ermordet.

Der Frieden in Kolumbien ist tödlich

Apr 30

Zumindest für Aktivisten ist dieser Friede lebensgefährlich: Seit der Friedensvertrag zwischen kolumbianischer Regierung und Farc in Kraft getreten ist, wurden in Kolumbien Dutzende Aktivisten ermordet. Ortschaftsräte, Frauenrechtlerinnen, Umweltschützer, Bauern, die kein Koka mehr anbauen wollen – oder einfach Menschen, die, aus welchem Grund auch immer, verdächtigt werden, der Farc nahezustehen.

Es scheint, als würde die Gewalt ausgerechnet jene treffen, die sich dafür engagieren, dass der neue Friede allen Kolumbianerinnen und Kolumbianern zugute kommt.

Wer ließ Berta Cáceres töten?

Dez 7

Wäre Gustavo Castro nicht bei Berta Cáceres gewesen, als ihre Mörder kamen, die Welt hätte das Verbrechen wohl längst vergessen. Die Aktivistin wäre in die Geschichte eingegangen als ein weiteres Gewaltopfer in ihrem Heimatland Honduras: noch eine Zahl in einer Statistik, noch ein unaufgeklärter Fall, noch ein ungestraftes Verbrechen.

„Sie planten einen sauberen Mord“, sagt Gustavo Castro, „die Hintermänner hätten sich alles Mögliche ausdenken können.“ Bertas Tod als tragische Folge eines Raubüberfalls darstellen, zum Beispiel, niemand hätte widersprechen können.

Doch Gustavo war da. Er sah einen der Mörder und erlebte, wie die Polizei danach versuchte, die Tat einem anderen anzuhängen. Der Mann, den er sah, schoss auch auf ihn, Gustavo Castro hatte Glück, die Kugel streifte seine Hand und sein linkes Ohr. Dann hörte er Berta Cáceres im Nebenzimmer rufen. Sie verblutete in seinen Armen.

Am Fluss, für den Berta Cáceres ihr Leben ließ

Okt 17

Eva aus Río Blanco, Honduras

Das ist Eva, ein Mädchen, das ich gestern kennengelernt habe, auf Besuch in ihrer Gemeinde Río Blanco, in Honduras. Eva geht dort in die Grundschule. Sie will Anwältin werden. „Man muss lernen!“ sagte sie mir, „und sich vor den Jungs in Acht nehmen. Denn wenn Du mit ihnen was anfängst, und selbst Kinder bekommst, dann musst Du das Lernen aufgeben.“ Eva weiß Bescheid.

Gemeinsam mit ihrer Mutter und weiteren Nachbarn zeigte mir Eva ihren Fluss. Es ist der Río Gualcarque, in dem die Firma Desa ein Wasserkraftwerk bauen will. Voith aus Deutschland sollte die Turbinen liefern. Aber im Moment liegt das Projekt auf Eis.

Hier gibt es sehr wohl Liebe

Sep 8

Einst war Medellín eine Hochburg der Drogenmafia, Reich des Paten Pablo Escobar. Heute gilt sie als Vorzeigestadt. Wie der Wandel gelang? Darüber habe ich für ZEIT ONLINE geschrieben. Ich habe die Comuna 13 besucht, früher eines der berüchtigsten Viertel der Stadt. Hier hatte die Farc ihre Basis, hier entfesselte der damalige Präsident Álvaro Uribe die

Ein Rhythmus für Babys, so einfach. Nur nicht einfach für mich

Sep 4

Tak-ta-tak-tak. Klar, das ist ein total einfacher Rhythmus. Fácil. Simple. Was für Babys. Aber ich krieg ihn nicht hin. David schaut mich zweifelnd an, dann schlägt er noch einmal auf die Tischkante: Tak-ta-tak-tak. Mit flacher Hand, mit gekrümmter Hand, mal fest, mal sanft, mal nah an der Kante, mal voll auf die Tischplatte.

Jeder Schlag klingt anders, klar, das kann ich hören. Aber das reproduzieren? Als rhythmisch im Vergleich zu einem siebenjährigen afrokaribischen Jungen, der mit Trommeln, Tänzen und Gesängen aufgewachsen ist, sagen wir: ziemlich untrainierte Mitteleuropäerin? Es ist hoffnungslos. Ich setze trotzdem an. Tak-ta-tak-tak. David schaut zweifelnd. Die andern am Tisch sind amüsiert.